„Morgen wieder Schule, gar keinen Bock“ – diesen Gedanken hatte jeder Schüler schon mehr als nur ein Mal. Aber was wäre, wenn man gar nicht mehr in die Schule gehen könnte? Wie würde der Schulalltag von zuhause aussehen? 

Mehr Zeit daheim 

Diese Frage wurde – gezwungenermaßen – erst kurz vor den Osterferien beantwortet, als Corona vor der Schultür stand und die Schule geschlossen werden musste. Schnell wurde auf den Online-Unterricht umgestiegen, alle Schüler arbeiteten von nun an zuhause. Und der erste Vorteil machte sich direkt am ersten Tag bemerkbar: Du musst nicht zur Schule fahren? Gut, dann kannst du morgens länger schlafen. Du musst nachmittags nicht mehr zurück nach Hause fahren? Dann hast du mehr Zeit nach der Schule.  

Wer kennt das Gefühl nicht?

Für mich als Morgenmuffel, der zwar erst um 6:30 aufstehen muss (auch wenn das immer noch viel zu früh ist), war das ein Segen. Auch die Wissenschaft ist sich einig: Schule generell sollte später beginnen, damit die Schüler im Unterricht wacher sind. Im Online-Unterricht beginnt die Schule vielleicht nicht später, aber die Schüler können sich durch den kurzen Weg zum Heimcomputer eine gute, weitere Portion Schlaf gönnen. 

Die Frage der Gesprächslautstärke 

Nach dem Aufstehen und der Morgenroutine geht es an den eigenen Computer. Hier trifft sich die Klasse zusammen mit dem jeweiligen Lehrer in einer Online-Konferenz. Viel verändert sich hier nicht. Erst gibt es die Begrüßung und dann wird überprüft, wer da ist. Der einzige Unterschied: Man kann den Lehrer nicht überhören, er sitzt einem „im Kopf“. 

Jeder Schüler hat diesen einen Lehrer, den man schon in der zweiten Reihe nicht mehr verstehen kann. Online ist das aber gar kein Problem. Alle Lehrer sind besser hörbar als je zuvor, der Unterricht auch aus 40 km Entfernung verständlich.  

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold 

Trotzdem muss man sich eingestehen: Online kann man nicht alles übernehmen, was vor Ort Tradition ist. Die typische Meldung per Hand ist dabei der größte Verbrecher. Häufiger kommt es vor, dass zwei Schüler sich ins Wort fallen, was aber nicht mit einem einfachen „du zuerst“ wieder geregelt werden kann.  

Um diese Situation aber präventiv verhindern zu können, gibt es online mehr schriftliche Aufgaben als offline. So kommen auch ruhigere Schüler auf gute Noten: Hier zählt viel eher die eigene Arbeitseinstellung und die eigenen Ergebnisse, die sich der Lehrer nach dem Unterricht angucken kann.  

Störenfriede der letzten Reihe 

Auch, wenn der Unterricht insgesamt ruhiger wird, heißt das noch lange nicht, dass alle auch ruhig bleiben: Wie auch offline gibt es Gespräche unter den Schülern, die eher vom Wochenende als von der Aufgabe handeln. Anders als in der Schule wird online aber niemand davon gestört. Wenn Leute sich unterhalten wollen, können sie das über andere Mittel und Wege machen, ohne dass der Lehrer oder die Klassenmitglieder etwas davon mitbekommen.  

Und das ist nicht nur für das Plaudern zwischendurch praktisch, sondern auch bei Nachfragen oder beim Zusammenarbeiten. Hier kann man sich das Lernklima so gestalten, wie es einem am besten gefällt – ohne das Lernklima der anderen zu zerstören. 

Alex Unterrichtsplan aus dem Home Office 🙂

Gesunde Pausen 

Nach 90 Minuten Unterricht erwartet einen die wohlverdiente Pause. Der größte Vorteil hier: Man kann sein Essen frisch zubereiten. Es steht einem alles zur Verfügung, was der eigene Kühlschrank hergibt, ganz ohne weitere Kosten. Bei frischem Essen verliert auch der McDonald’s auf der anderen Straßenseite seinen Charme. 

Nicht selten kam es vor, dass wir uns während den Pausen schon auf den nächsten Unterricht vorbereitet haben, ähnlich wie wir es auch in der Schule machen würden. Aber online wie offline gilt: Pausen durcharbeiten sollte nicht zur Regel werden, schließlich sind Pausen zum Entspannen da. Statt also vor dem PC zu sitzen, lohnt es sich, einen kurzen Spaziergang in der Sonne zu machen. Besonders in der Corona-Zeit. 

Freiheiten des eigenen PCs 

Für mich als Programmierer war der eigene PC eine der besten Sachen, die der Online-Unterricht mit sich gebracht hat. Hier kann ich auf alle Programme zugreifen, die ich für meine Aufgaben benutzen will. Und: Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob sie richtig konfiguriert sind, sondern kann direkt anfangen zu arbeiten. Das hebt nicht nur die Effizienz beim Arbeiten, sondern auch die Motivation, wenn man sich nicht zum Anfang des Unterrichts mit den Programmen rumschlagen muss. Im bib wäre das aufgrund der Größe des Netzwerks nur sehr schwer zu implementieren. 

Rate his setup 😉

Wenn sie richtig benutzt werden, bieten zwei Bildschirme einen Effizienz-Schub. Das kommt einem sowohl beim Nachschlagen in einer Programmier-Dokumentation als auch beim Recherchieren und Finden von Inspiration zugute. 

Die verdammten Videospiele 

Auch, wenn ich sehr begeistert von meinem eigenen PC bin, muss man der Wahrheit leider ins Auge schauen: Zu den eigenen Programmen gesellt sich doch das ein oder andere Spiel. Und es ist ziemlich verlockend, die eigene Aufgabe nur für 10 Minuten beiseite zu legen und eine Runde zu spielen. Aber bei einer Niederlage kann man es nicht sein lassen, noch eine Runde. Dann vielleicht noch eine.  

Was am Nachmittag ein vollkommen harmloses Hobby für viele ist, kann während des Unterrichts zum echten Verhängnis werden – man kommt nicht mehr mit und die Quartalsnoten sehen dementsprechend düster aus. Ordentliches Arbeiten am eigenen PC erfordert eine Prise Willenskraft und einen Schuss Pflichtbewusstsein. Das bringt nicht jeder mit. 

Online vs. Offline 

Wie bei so vielen Sachen im Leben hat Online-Unterricht seine Vor- und Nachteile. Ich für meinen Teil komme entspannter an meinen PC und kann mir ein besseres Arbeitsumfeld aufbauen, in dem ich besser lernen und schneller arbeiten kann. Dass das aber nicht für jeden der Fall ist, ist selbstverständlich. Schließlich gibt es mehr als genug Ablenkungsfaktoren. Außerdem muss man sich eingestehen, dass einige Fächer einfach am besten vor Ort funktionieren. Präsentationen vor richtigen Leuten zu üben geht eben nur in einem Klassenzimmer.  

Eine Hybridform ist hier wahrscheinlich die beste Empfehlung – man nimmt die Vorteile aus beiden Formen mit und macht das Beste daraus. Vorausgesetzt, dass dem Ganzen eine ordentliche Chance gegeben wird. 

Alexander
Letzte Artikel von Alexander (Alle anzeigen)

6 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.