Alina Herrmann und Kamilla Khairullina nehmen am Bachelor-Programm des bib International College Hannover teil. Gemeinsam mit acht anderen Studierenden, darunter Mediendesigner, gestaltungstechnische Assistenten und Game Artists, haben sie eine Werbeagentur mit dem vielsagenden Namen Adjusten gegründet. Wir haben die beiden zum Gespräch eingeladen.

Alina und Kamilla, ihr habt eine eigene Schülerfirma gegründet. Herzlichen Glückwunsch! Wie kam es dazu?

Alina: Das Institut Wirtschaft Junior GmbH, das vom Institut der deutschen Wirtschaft initiiert wurde, hat schon vor Jahren Junior-Programme ins Leben gerufen. Diese ermöglichen Schülern eine echte Firmengründung.  Im Juli 2018 hat unsere Dozentin Dagmara Syring dieses Konzept im bib-Forum vorgestellt. Das fanden wir toll und wollten mitmachen. Im August haben wir die Idee entwickelt und Ende September uns dann gegründet.

Gehört das Unternehmen dem bib, der IW Junior GmbH oder ist das eine eigene Firma?

Kamilla: Die IW Junior GmbH unterstützt uns mit fertig ausgearbeiteten Rahmenbedingungen und rechtlicher Absicherung. Außerdem haben sie uns als Firma auch angemeldet. Am bib werden wir von unseren Dozenten Dagmara Syring und Christian Meyer unterstützt. Die begleiten uns in allen praktischen Fragen und helfen uns, wo sie nur können.

Alina: Aber die Firma selber ist unsere. Wir generieren unser Startkapital durch die Ausgabe von Anteilsscheinen. Andererseits ist Adjusten auch eher als Projekt angelegt, denn nach einem Jahr endet die Unterstützung der IW Junior GmbH und vermutlich auch das bib – damit endet dann auch Adjusten. Wir sind dann auch am bib fertig und setzen unsere Ausbildung mit dem Bachelor an einer unsere Partneruniversitäten im Ausland fort.

Moment mal – Anteilsscheine?

Alina: Ja. Es gibt 90 Anteilsscheine, das ist wie eine Art Aktie. Jeder Schein kostet 10 Euro. Das heißt, dass unser Startkapital 900 Euro beträgt. Damit können wir zum Beispiel benötigtes Material kaufen, vor allem bezahlen wir unter anderem die Hosting-Gebühren unserer Website adjusten.de.

Kamilla: Alles, was nachher an Gewinn anfällt, wird am Ende der einjährigen Laufzeit an die Anteilseigner ausgeschüttet, die aber jeder nur einen einzigen Anteilsschein halten dürfen.

Das klingt aber reichlich un-unternehmerisch.

Alina (lacht): Dafür ist das Risiko auch gering.

Ihr seid eine Werbeagentur aus Studierenden. Was für Kunden peilt ihr an?

Alina: Wir glauben, dass wir unsere Dienstleistung noch nicht so teuer anbieten können, weil wir ja unsere Ausbildung noch gar nicht abgeschlossen haben.

Kamilla: Allerdings können wir ja jetzt schon was, denn beim bib werden wir echt gut ausgebildet.

Alina: Darum konzentrieren wir uns auf die, die zwar eine gestalterische Unterstützung brauchen, aber kein großes Budget zur Verfügung haben. Somit möchten wir uns hauptsächlich an kleinere Vereine richten – Sportvereine zum Beispiel.

Da ist aber nicht viel Umsatz zu machen…

Alina: Das wissen wir.

Kamilla: Viel verdienen dürfen wir eh nicht. Das hat was mit der Rechtsform unserer Firma zu tun.

 Darauf kommen wir noch. Aber erst einmal: Ihr heißt Adjusten. Was bedeutet das?

Alina: Der Name Adjusten ist eine Kombination aus dem Begriff ad für Werbung, ten für die zehn Gründungsmitglieder und Adjust für anpassen.

Kamilla: Anpassen, weil wir die Auftritte unserer Kunden anpassen und verbessern wollen. Dafür haben wir das Chamäleon als Logo gewählt, weil auch das sich anpasst.

Alina: Den Namen haben wir alle gemeinsam mit einem Brainstorming und einer Mindmap entwickelt. So konnten wir dann auch Kreativitätstechniken aus dem Unterricht in der Praxis nutzen.

Wie kommt ihr denn als Werbeagentur an eure Kunden?

Kamilla: Im Moment kommen überraschend viele Organisationen auf das bib zu und fragen nach Unterstützung. Diese Anfragen werden an uns weitergeleitet.

Alina: Eigene Kundenakquise haben wir noch nicht so richtig gemacht, außer über persönliche Kontakte.

Welche Leistungen bietet ihr mit Adjusten an?

Kamilla: Wir entwickeln Websites und Print-Produkte, machen aber auch Fotografie und Bewegtbild.

Ihr macht eine Ausbildung in Vollzeit im Bereich Mediendesign oder Game Art am bib International College in Hannover, das heißt, dass ihr etwa 30 Stunden Schule habt. Lernen müsst ihr auch, für Klausuren und für Prüfungen. Wie viel Zeit könnt ihr denn da überhaupt noch für Adjusten aufbringen?

Alina: Das bib gibt uns die Möglichkeit, die Firma während der Unterrichtszeit aufzubauen. Wir haben dafür ein eigenes Fach mit 6 Unterrichtsstunden pro Woche bekommen. Außerdem gibt es noch Projektblöcke, die wir nutzen können. Das bib kommt uns also mit Unterrichtsentlastung entgegen.

Wie habt ihr euch denn organisiert?

Kamilla: Es gibt vom IW Junior GmbH eine Struktur, die vorgegeben ist und einer normalen Unternehmensstruktur ähnelt. Wir haben unsere Aufgaben in den Bereichen Buchhaltung, Verwaltung, Marketing, Technisches. Dazu kommt noch das Kreative. Jeder hat eine Doppelfunktion.

Alina: Wir beide sind mit der Verwaltung beauftragt.

Was sind denn typische Verwaltungsaufgaben?

Kamilla: Zum Beispiel müssen wir monatliche Berichte erstellen und der IW Junior GmbH zur Verfügung stellen. Da steht dann drin, welche Projekte wir betreuen, wie wir vorankommen und was wir verdient haben.

Und was verdient ihr so?

Kamilla: 50 Cent pro Stunde.

Fünfzig Cent pro Stunde??

Kamilla: Ja, wir sind eine besondere Rechtsform, für die auch der Mindestlohn nicht gilt. Wir dürfen auch nur maximal 5.000 Euro Gewinn in einem Jahr machen – und der wird vollständig an die Anteilseigner ausgeschüttet, also durch 90 geteilt. Das heißt, maximal kann ein Anteilseigner gute 55 Euro an der Firma verdienen.

Wofür macht ihr das dann? Offensichtlich nicht des Geldes wegen.

Alina: Nein. Wir möchten Erfahrungen sammeln.

Kamilla: Wie ist das, selbstständig zu sein, Verantwortung zu haben, in einem Team zu agieren, Konflikte zu lösen? Und das alles ja doch mit einem professionellen Anspruch.

Alina: Ein echter Auftrag von einem echten Kunden ist doch was anderes als so ein Unterrichtsprojekt mit simulierten Kunden.

Habt ihr schon so richtig Erfahrungen gesammelt?

Kamilla: Oh ja. Preisverhandlungen zum Beispiel. Im Unterricht lässt sich so etwas nicht lernen. Ein echter Kunde kann dein Angebot einfach ablehnen – da geht es oft gar nicht um deine Leistung an sich, sondern nur um ein paar Euro. Darauf waren wir nicht vorbereitet.

Alina: Außerdem sind wir noch immer in der Gründungsphase. Wir bauen also unsere Strukturen auf, entwickeln unsere eigene Website, sprechen gleichzeitig schon mit Kunden und produzieren Ideen für sie. Diese vielen teilweise einander bedingenden oder sich im Weg stehenden Sachen gibt es im Unterricht nicht – da wird schön eine Aufgabe nach der anderen abgearbeitet. Wir lernen also Projektmanagement, indem wir uns ins kalte Wasser stürzen.

Dann wünsche ich euch schnell den Freischwimmer und viel Erfolg für Adjusten!

Interview: Gero Pflüger; Fotos: Renate Jacobs.

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